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Der fünfte Trennungsversuch

Seit 1705 hatten die Bewohner des Dorfes Balzfeld insgesamt vier Versuche unternommen, sich von der aus Horrenberg, Balzfeld, Unterhof und Oberhof bestehenden Gemeinde Horrenberg zu lösen und die politische Selbständigkeit zu erlangen. Obwohl das Begehren der Balzfelder nach einer eigenständigen Gemeinde 1850 vom badischen Innenministerium endgültig abgewiesen worden war, blieb der Wunsch nach einer Trennung von Horrenberg weiterhin bestehen. So verwundert es nicht, daß das Dorf gut 50 Jahre nach dem letzten gescheiterten Versuch einen fünften Anlauf zur Erreichung des begehrten Zieles nahm. 1871 hatte das Bezirksamt noch einmal schriftliche festgehalten, daß Horrenberg und Balzfeld zwar gesonderte Gemarkungen, aber eine gemeinschaftliche Vermögensverwaltung hätten. 1896 wurden die bis dahin gesonderten Gemarkungen von Horrenberg und Balzfeld von den zuständigen Behörden gegen den Widerstand der Balzfelder zur 776 Hektar großen Gemarkung Horrenberg-Balzfeld vereinigt. Damit nicht genug, zeigten die Horrenberger den Balzfeldern bei der Bürgerausschußwahl 1899, daß sie wegen der größeren Einwohnerzahl ihres Dorfes bei allen Wahlen bestimmen konnten, welche Kandidaten in die Gemeindegremien einzogen. Da die von Horrenbergern dominierte Gemeindeverwaltung sich laut Erkenntnis des Bezirksamtes mehr vom Lokalpatriotismus als von demokratischen Grundsätzen leiten ließ, sollten die 40 Ausschußmitglieder von der Bevölkerung der beiden Dörfern gemeinsam gewählt werden. Bei den Wahlen hatte jeder stimmberechtigte Bürger entsprechend der Zahl der zu wählenden Ausschußmitglieder 40 Stimmen. Horrenberg und Balzfeld stellten zwar je 40 Kandidaten auf, doch hatten wegen der in Horrenberg höheren Wählerzahl alle 40 Horrenberger Kandidaten mehr Stimmen als die 40 Kandidaten aus Balzfeld. Offenbar hatte niemand einen Kandidaten aus dem jeweiligen Nachbardorf gewählt. So kamen alle 40 Bürgerausschußmitglieder aus Horrenberg und keiner aus Balzfeld. Das Bezirksamt griff nach Bekanntwerden des undemokratischen Wahlergebnisses ein und ließ die Wahl nach Orten getrennt noch einmal wiederholen. Dabei durften die Balzfelder in nunmehr getrennter Wahl entsprechend ihrer Bevölkerungszahl 18 Ausschußmitglieder wählen, während den Horrenbergern 22 Ausschußsitze zugesprochen wurden. Durch ihr unfaires Verhalten hatten die Horrenberger den alten Wunsch der Balzfelder nach politischer Selbständigkeit erneut geweckt. Am 28. Februar 1901 unterschrieben 69 Balzfelder Bürger den Antrag um Auflösung der bestehenden vereinigten Gemeinde Horrenberg-Balzfeld kombiniert mit dem Antrag, die Gemeinde Balzfeld als neue selbständige Gemeinde zu erklären. Sie legten das Schriftstück dem Bezirksamt Wiesloch vor, das als Grund für den Wunsch auf Selbständigkeit den Wert des ganz auf Balzfelder Gemarkung liegenden Gemeindewaldes vermutete. Bei alleiniger Verfügungsgewalt hätte er einer eigenständigen Gemeinde Balzfeld einen guten Teil des Gemeindehaushaltes finanziert. Das Bezirksamt sandte dem Bürgermeisteramt Horrenberg daraufhin einen Fragebogen zu, durch den alle Fragen bezüglich der Beziehungen der beiden Dörfer untereinander geklärt werden sollten. Als nach fast acht Monaten immer noch keine Antwort eingegangen war, vermutete das Bezirksamt folgerichtig eine absichtliche Verzögerung seitens das von Horrenbergern dominierte Gemeinderates und des aus Horrenberg stammenden Bürgermeisters Franz Epp. Man sandte ein geharnischtes Schreiben an die Gemeindeverwaltung und drohte den Verantwortlichen mit einem Disziplinarverfahren. Für die Abgabe des Fragebogens setzte man Bürgermeister Epp eine Frist von vier Tagen, der er unter diesen Umständen schleunigst nachkam. Aus dem Fragebogen geht hervor, daß Balzfeld im Jahr 1901 419 Einwohner zählte. Ihnen standen 499 Horrenberger gegenüber. Somit besaß Horrenberg zwar die größere Zahl an Einwohnern, doch konnte Balzfeld mit 562 Hektar gegenüber Horrenberg mit 287 Hektar die weitaus größere Gemarkung vorweisen. Die Gesamtgemeinde war zu damaligen Zeitpunkt vollkommen schuldenfrei. Das Steueraufkommen des Dorfes Balzfeld lag wegen der günstigeren Betriebsgröße der dortigen Bauernhöfe etwas höher als das des Dorfes Horrenberg. Im zweimal wöchentlich tagenden Gemeinderat besaßen Horrenberg und Balzfeld je drei Stimmen, doch gab der aus Horrenberg stammende Bürgermeister mit seiner Stimme bei allen strittigen Fragen den Ausschlag. Außerdem wurmte die Balzfelder, daß sich ihre Gemeinderäte zu den Sitzungen stets nach Horrenberg ins Rathaus begeben mußten. Das führte im Sommer für die Balzfelder zu einem angeblich unzumutbaren Zeitverlust bei den landwirtschaftlichen Arbeiten, während ihnen im Winter der Weg auf Grund der Wetterverhältnisse zu unangenehm war. Aus dem Schriftverkehr geht eindeutig hervor, daß sich die Balzfelder, ob zu Recht oder zu Unrecht, von den Horrenbergern stets ungleich behandelt fühlten. Als Beweis für die an ihnen verübten Ungerechtigkeiten führten die Balzfelder an, daß neben dem Bürgermeister auch der Ratschreiber, der Gemeinderechner, der Waisenrat und die beiden Waldhüter aus Horrenberg stammten. Nach Balzfelder Meinung brachte dem Dorf die Vereinigung mit Horrenberg nur Unannehmlichkeiten. Für die Balzfelder, so heißt es unter anderem im Antrag auf Selbständigkeit, sei es nichts Angenehmes, sich bei notariellen Geschäften ins Rathaus nach Horrenberg begeben zu müssen. Das Bezirksamt zeigte sich den Argumenten der Balzfelder durchaus zugänglich und forderte beim Generallandesarchiv Karlsruhe die Akten der vier bisherigen Verfahren auf Selbständigkeit an. Eine vor Ort durchgeführte Untersuchung ergab, daß viele Beschwerden der Balzfelder durchaus berechtigt waren. So bemängelte der Bezirksamtmann, daß es im Horrenberger Rathaus keine festen Sprechstunden gab, so daß sich die Bewohner Balzfelds nur auf gut Glück dorthin begeben konnten. Ferner stellte man fest, daß die Gemeindeverwaltung nur die Gräben in Horrenberg von einem Gemeindearbeiter reinigen ließ, während in Balzfeld die jeweiligen Anrainer die Gräben zu putzen hatten. Eine Auflistung des Vermögens ergab, daß dem Dorf Balzfeld der ganze Gemeindewald sowie einiges an Ackerland und Wiesen, der Turnplatz und der Friedhof gehörten. Die Gemeinde Horrenberg besaß an Liegenschaften in Horrenberg das Schul- und Rathaus, das Feuerlöschrequisitenhaus, die Hirtenwohnung, ein Wohnhaus mit Wachstube und ein Wohnhaus mit Schuppen, das als Armenhaus diente. In Balzfeld besaß die Gemeinde ein Wohnhaus mit Scheuer und Stallungen, das Schulhaus, das Wachhaus, das Armenhaus, die Hirtenwohnung sowie das Gestühl und den Glockenstuhl der Kirche. Überrascht zeigte sich das Bezirksamt davon, daß die Stimmung in Horrenberg durchaus nicht gegen eine Trennung von Balzfeld war. Der Gemeinderat schlug eine Aufteilung des Vermögens gemäß der Einwohnerzahl der beiden Dörfer von und verlangte einen neuen Zuschnitt der Gemarkungen. Die Horrenberger erhofften sich für den Fall einer politischen Trennung gleichzeitig die von ihnen erstrebte kirchliche Trennung von Balzfeld. So stimmten die Vertreter der beiden Dörfer schließlich der Aufnahme von Vorverhandlungen zur Aufteilung des Gemeindevermögens zu. Nach einem Ortstermin leitete das Bezirksamt Wiesloch den "Antrag auf politische Selbständigkeit des Dorfes Balzfeld" befürwortend an das Großherzogliche Innenministerium in Karlsruhe weiter. Am 17. April 1902 begab sich der Großherzoglich-Badische Landeskommissär Pfisterer nach Horrenberg, um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen und um mit Absandten beider Dörfer zu verhandeln. Anschließend verfertigte er eine Stellungnahme für das Ministerium des Inneren. Darin stellte er fest, daß sowohl Horrenberg als auch Balzfeld jeweils für sich eine Gemarkung, einen Polizeidiener, einen Feldhüter, einen Leichenschauer, eine Hebamme, einen Steinsetzer, einen Abdecker, eine Farrenhaltung mit je zwei Farren (Zuchttieren), eine Eberhaltung, eine Schule, eine Gemeindewaage sowie eine Feuerspritze besaßen. Die Zustimmung der Horrenberger Gemeinderäte zu der angestrebten Trennung erwartete Pfisterer nur für den Fall, daß Horrenberg gleichzeitig zu einer eigenen Kirchspielgemeinde mit eigener Kirche und eigener Pfarrei gemacht würde. Der von Horrenberg gewünschte Friedhof kam nach seiner Ansicht ebenfalls nur für den Fall einer kirchlichen Selbständigkeit in Frage, denn eine Totenmesse in Balzfeld mit anschließender Beerdigung in Horrenberg hielt er nicht für möglich. Den Balzfeldern rang Pfisterer das Zugeständnis ab, den Horrenberger Bürgermeister auch in Zukunft als Standesbeamten für Balzfeld anzuerkennen. Insgesamt gab der Landeskommissär eine positive Stellungnahme zu Gunsten der Balzfelder ab und schloß sich dem Votum des Bezirksamtes an. Bei einer Trennung sollten zwei Gemeinden entstehen, die mit Tairnbach, Rotenberg oder Malschenberg zu vergleichen gewesen wären. Am 18. Juli 1902 stellte das Ministerium des Inneren seine Zustimmung für den Fall in Aussicht, daß zwischen den beiden Ortschaften völliges Einverständnis über die Trennung des Gemeindevermögens bestehe. Eine Trennung sei nicht möglich, wenn der auf Balzfelder Gebiet liegende Gemeindewald gemeinschaftliches Eigentum bleibe, da andauernder Streit zu erwarten sei. Zur Frage der kirchlichen Selbständigkeit Horrenbergs verwies das Innenministerium auf die alleinige Zuständigkeit der katholischen Kirche. Am 6. Oktober 1902 hielt Oberamtmann Dr. Klotz vom Bezirksamt Wiesloch in Horrenberg und Balzfeld getrennte Bürgerversammlungen ab. Im Anschluß daran stimmten die Balzfelder einstimmig für eine Trennung, die Horrenberger waren wegen der nicht geklärten Frage einer kirchlichen Trennung einstimmig dagegen. Gleichzeitig gaben die Horrenberger zu verstehen, daß bei Schaffung einer eigenen Kirchengemeinde eine Änderung der ablehnenden Haltung möglich sei. Daraufhin lehnte das Innenministerium trotz der positiven Stellungnahmen der unteren und mittleren Behörden wegen Unmöglichkeit der Einigung zwischen den beiden Orten das Trennungsgesuch der Balzfelder ab. Am 29. August 1903 teilte das Ministerium des Inneren den Antragstellern die Gründe für die Ablehnung ihres Gesuches mit: Nachdem keine Einigung zwischen den beiden Orten herbeigeführt wurde, muß die Trennung als undurchführbar erscheinen. Wir können uns daher zu einer weiteren Verfolgung der Angelegenheit zunächst nicht veranlaßt sehen. Der Balzfelder Stabhalter Johannes Blum mußte den enttäuschten Bürgern Balzfelds den nhalt des Erlasses durch Vorlesen bekanntmachen.

Der sechste Trennungsversuch

1907 sollte die Balzfelder Pfarrkirche gegen den Willen der Horrenberger vergrößert weden. Da die Horrenberger Gemeinderäte bei einer Vergrößerung der Kirche in Balzfeld ihr Hoffnungen auf einen Kirchenbau in Horrenberg schwinden sahen, versuchten sie das Bauvorhaben mit allen Mitteln zu verhindern. So fand sich nun plötzlich in auch Horrenberg eine Mehrheit für die völlige politische und kirchliche Trennung von Balzfeld und Horrenberg. Mit dem Ende des Steites um die Vergrößerung der Kirche ließen die Bestrebungen nach politischer Trennung vorübergehend nach. 1909 konnte das Bezirksamt feststellen: Was die Frage der Lostrennung Balzfelds von Horrenberg betrifft, die schon seit zwei Jahrhunderten den Gegenstand eines lebhaften Kampfes bildet, so haben sich zur Zeit die Gemüter beruhigt. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, wann die Frage erneut angeschnitten werden wird.
Tatsächlich lebte der alte Steit nach dem Ersten Weltkrieg wieder auf. Mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den Inflationsjahren von 1921 bis 1923 machte sich erneut Mißgunst unter den Dorfbewohnern breit, da man in Balzfeld die knappen öffentlichen Mittel ungerecht verteilt sah. So stellten die Balzfelder ihren sechten Antrag auf politische Selbständigkeit. Der Bezirksinspektor schrieb dazu in seiner Stellungnahme: Bedeutsam für die Gemeinde ist der bald verborgen bald offen auftretende Streit zwischen dem Ortsteil Horrenberg und dem Ortsteil Balzfeld. Horrenber hat das Rathaus, Balzfeld die Kirche. Die Horrenberger haben sich einen Friedhof angelegt, da sie nicht mehr in Balzfeld begraben sein wollen. Nun wollen sie an den Bau einer Kirche gehen. die natürlich prächtiger werden muß als die Balzfelder Kirche. Das Bezirksamt versah den Bericht mit dem Hinweis, daß die gegewärtigen Zeiten eher zur Vereinigung als zur Trennung von Gemeinden angetan seien. In den folgenden Jahren scheiterten sämtliche Verhandlungen zwischen Horrenberg und Balzfeld bezüglich einer Trennung an der Frage der gegenseitigen Gemarkunsgrenze. Als auch noch der Oberhof und der Unterhof größere Selbständigkeit zu erlangen suchten, riß dem Badischen Innenministerim der Geduldsfaden. Mit Schreiben vom 28. April 1932 teilte der Minister des Inneren mit: Nachdem eine Vereinbarung zwischen den Gemeinden nicht zustande gekommen ist, wird die Vereinigung des Hauptortes Horrenberg und der Nebenorte Balzfeld, Oberhof und Unterhof zu einer einfachen Gemeinde Horrenberg unter Aufhebung der gegenseitigen Gemarkungsgrenzen mit Wirkung vom 1. Juli 1932 angeordnet. Damit war das Thema Selbständigkeit wieder einmal zu den Akten gelegt.

Der siebte Trennungsversuch

1961 begann nach einem nur kurz verfolgten Versuch im Jahr 1947 der wohl letzte Anlauf der Balzfelder, die kommunalpolitische Unabhängigkeit zu erlangen. Die Balzfelder versuchten sich unter Federführung von Gemeinderat Alois Knopf erneut von Horrenberg zu lösen. Zu einer Bürgerversammlung, auf der über die Ausgemeindung gesprochen werden sollte, lud man auch Landrat Georg Steinbrenner ein. Zur Enttäuschung der Balzfelder Bevölkerung teilte er den Bürgern jedoch mit, daß keine Regierung und kein Landtag einer Selbständigkeit zustimmen werde. Das Steueraufkommen des finanzschwachen Dorfes sei so gering, daß eine selbständige Gemeinde Balzfeld ständig der finanziellen Hilfe des Landes bedürfen würde. Trotz dieses Rückschlages ließen sich die Balzfelder nicht von ihrem Vorhaben abbringen und strebten durch einen eigens zu diesem Zweck gegründeten Heimatverein unter Vorsitz von Willi Fuchs nach Unabhängigkeit. Der Heimatverein entfaltete sofort verschiedene Aktivitäten wie die Durchführung eines Sommertagszuges oder ein Dorffest am Osterberg, um die Eigenständigkeit des Dorfes herauszustellen. Bald kam es zu polemischen Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern der Ausgemeindung. Gegen die gerade anstehende Flurbereinigung setzten sich die Balzfelder heftig zur Wehr, da das Flurbereinigungsamt die von ihnen geforderte Festlegung einer Gemarkungsgrenze zwischen Horrenberg und Balzfeld ablehnte. Im Gegenzug verweigerte der Gemeinderat dem Heimatverein einen Zuschuß zu seinem gerade im Druck befindlichen Heimatbuch. Der Streit um den Standort der in Horrenberg zu bauenden neuen Schule brachte zusätzlichen Zündstoff, da die Balzfelder sich von den Horrenbergern wieder einmal übervorteilt und fremdbestimmt fühlten. Am 12. September 1964 gründeten sie auf einer Bürgerversammlung einen Ausgemeindungsausschuß, dessen Mitglieder von den Einwohnern gewählt wurden. Der Ausschuß stellte beim Landratsamt Antrag auf Ausgliederung aus der Gemeinde Horrenberg und die Bildung einer selbständigen Gemeinde Balzfeld.
Der von 85 Prozent der Balzfelder Wahlberechtigten unterschriebene Ausgliederungsantrag gründete sich auf angebliche historische Fakten sowie auf die Benachteiligung Balzfelds durch die Horrenberger Verwaltung und die Nichtberücksichtigung bei der Erschließung von Baugebieten. Die historischen Fakten untermauerte man durch ein vom Heimatverein in Auftrag gegebenes Heimatbuch, das der im Generallandesarchiv Karlsruhe tätige Archivrat Alfons Schäfer verfaßt hatte. Im November 1964 fand im Horrenberger Gasthaus Zum Hirsch eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt, auf der über den Ausgemeindungsantrag debattiert und abgestimmt werden sollte. Bürgermeister Hugo Epp hatte das Begehren in einer persönlichen Stellungnahme für das Landratsamt bereits kategorisch abgelehnt. Der Gemeinderat lehnte den Antrag nach heftiger Debatte mit acht zu zwei Stimmen bei einer Enthaltung ebenfalls ab. Dennoch trafen sich im Dezember je fünf Vertreter aus Horrenberg und Balzfeld, um über das gegenseitige Verhältnis zu verhandeln.
Bei der Aufstellung der Listen für die 1965 anstehenden Gemeinderatswahl gab es den nächsten Eklat, der in der Aufstellung von zwei verschiedenen CDU-Listen gipfelte, denen jeweils die Gegner beziehungsweise die Befürworter einer Trennung angehörten. Im Dezember 1965 leitete das Landratsamt Heidelberg den Antrag auf kommunalpolitische Selbständigkeit mit einer ablehnenden Stellungnahme an das Regierungspräsidium Karlsruhe weiter, das den Antrag dem Innenministerium in Stuttgart vorlegte. Am 17. Oktober 1966 lehnte das Innenministerium Baden-Württemberg den Antrag rundweg ab und beschloß, keinen entsprechenden Gesetzentwurf im Landtag einzubringen. In der Begründung heißt es, daß die Ausgemeindung dem Gemeinwohl nicht diene und sowohl Horrenberg als auch Balzfeld so finanzschwach seien, daß sie zukünftige ständig auf Zuschüsse aus Landesmitteln angewiesen sein würden.
Wenige Jahre später ging es im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform nur noch darum, von welcher größeren Gemeinde man eingemeindet werden würde. Im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform im Jahr 1972 konnten die Balzfelder den Horrenbergern nach fast dreihundert Jahren dann doch noch ihren politischen Willen aufzwingen. Während die Horrenberger mit knapper Mehrheit für eine Vereinigung mit Wiesloch stimmten, führten die Stimmen aus Balzfeld zur Vereinigung mit Dielheim.