Geschichte

Polizeidiener Waldmann

Aus der Arbeit des Balzfelder Polizeidiener
Rochus Waldmann

Im Amtstagebuch des von 1906 bis 1944 als Balzfelder Polizeidiener und Ratsdiener im Dienst befindlichen Rochus Waldmann ist eine Reihe typischer Vergehen, die zur Verteilung von Strafmandaten Anlaß gaben, festgehalten. Stellvertretend sind die Jahre 1908 und 1924 ausgewählt. Die Gründe für die Erteilung von Strafmandaten zeigen, wie sich das dörfliche Leben im industriellen Zeitalter zu verändern begann. Waldmann, der mehrmals versuchte, die Zahl der Anzeigen zu reduzieren, wurde daraufhin jedesmal vom Bezirksamt Wiesloch zur vermehrten Ausstellung von Strafmandaten angehalten. Für den Fall, das er dem Wunsch nicht Folge leisten sollte, drohte ihm seine vorgesetzte Dienstbehörde Konsequenzen an. So blieb Waldmann häufig nichts anderes übrig, als die im Jahr zuvor zu wenig ausgestellten Strafmandate durch eifrige Tätigkeit im folgejahr wieder auszugleichen. Unter anderem führten 1908 folgende Ordnungswidrikgeiten zur Verhängung von Strafmandaten.

Strafmandate:

  • Groben Unfug getrieben.
  • Öffentliche Ruhestörung begangen.
  • Unfug gengen den Polizeidiener getrieben.
  • Nach 23 Uhr Arbeiten auf dem Hof durchgeführt.
  • Die Polizeistunde übertreten (allein am 13.02.1908 30 Strafmandate).
  • Groben Unfug im Flur des Gasthauses Adler verübt.
  • Im Gasthaus Krone eine Ohrfeige ausgeteilt.
  • Den öffentlichen Brunnen nicht wieder abgedeckt.
  • Die Gänse im Dorf laufen gelassen.
  • Den Hund nachts laufen gelassen.
  • Dem Nachbarn einen Schrubber auf den Kopf geworfen.
  • Das Fuhrwerk ohne Licht nachts auf der Straße stehen gelassen.
  • Nachts ohne Licht mit dem Fuhrwerk gefahren.
  • Unfug gegen Radfahrer zwischen Horrenberg und Balzfeld verübt.
  • Die Straßenrinne nicht gereinigt.
  • Die Straße verschmutzt.
  • Übelriechendes Wasser in die Straßenrinne geleert.
  • Bei einer öffentlichen Bekanntmachung mit dem Fuhrwerk gefahren.
  • Eine Tätlichkeit gegen die Ehefrau begangen.Unter den Strafmandaten von 1924 taucht erstmals der motorisierte Straßenverkehr auf:
  • Mit dem Motorrad zu schnell gefahren.
  • Mit dem Fahrrad zu schnell gefahren.
  • Im Stall ein offenes Licht entzündet.
  • In der Neujahrsnacht ein Fenster eingeworfen.
  • Trauben gestohlen.
  • Abends nach 20 Uhr mit dem Schlitten gefahren.

 

Zigarrenfrabriken

Die Statisik zeigt die Gesamtzahl der Beschäftigten in den Dielheimer, Horrenberger und Balzfelder Zigarrenfabriken.

Emil Epp (1896-1898)
Emil Epp stellte in seiner Fabrik in der Sinsheimer Straße von 1896 bis 1898 mit 21 Arbeitskräften Zigarren her. Möglicherweise hat eine der nachfolgend genannten Zigarrenfabriken die Firma übernommen.

Heinrich Jacobi/Georg und Otto Kruse/Josef Falkner (1898-1945)
Rochus Fröhlich und Josef Falkner errichteten 1898 in den Räumen der Witwe des Franz Rothermel eine Zigarrenfabrik und produzierten mit fünf Arbeitern. Im Jahr 1900 trennten sich die Geschäftspartner. Josef Falker produzierte danach im Haus des Josef Neidig mit 15 Arbeitskräften Zigarren, Rochus Fröhlich erstellte einen Neubau in der Hauptstraße 67, der späteren Dorfstraße 75. Dort beschäftigte er 26 Personen. 1901 schloß man sich wieder zur Firma Fröhlich & Falkner zusammen.
Ein Jahr später führte Josef Falkner den Betrieb allein weiter. Seine Firma stellte von 1909 bis 1938 für die Mannheimer Zigarrenfabrik Heinrich Jacobi mit 45 Arbeitskräften im Lohnauftrag Zigarren her. Josef Falkners Witwe verkaufte die Fabrik 1934 an Magdalena Eichstädter, eine geborene Falkner. Nach der 1938 erfolgten Arisierung der Firma Heinrich Jacobi hieß der neue Geschäftspartner Georg und Otto Kruse. Während des Krieges mußte die Firma auf staatliche Anordnung hin aus kriegswirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Anschließend belegten Wehrmachtssoldaten das Fabrikgebäude. Im Jahr 1946 konnten monatlich wieder 160000 Zigarren produziert werden, doch noch im selben Jahr wurde die Zigarrenfabrik geschlossen. Ihre Räumlichkeiten dienten bis 1950 als Ersatz für die abgebrannte Schule und danach als Flüchtlingsunterkunft.

Gebrüder Jacobi/Anton Reißfelder/Franz Fuchs (1899-1956)
Die Brüder Theodor Reißfelder und Anton Reißfelder begannen die Zigarrenprodunktion im Jahr 1899 im Haus Gustav Knopf und beschäftigten acht Arbeiter. Im gleichen Jahr trennten sich die beiden. Anton Reißfelder produzierte danach im Haus des Adolf Epp Zigarren. Im Jahr 1900 errichtete er eine Zigarrenfabrik in der Tairnbacher Straße/Hofäcker 9, in der er mit 54 Arbeitskräften Zigarren herstellte.
Von 1909 bis 1938 vermietete er die Fabrik an die Gebrüder Jacobi aus Mannheim, die 27 Arbeitskräfte beschäftigte. Zwischenzeitlich übernahm die Firma Hirsch & Nadenheim die Fabrik. Im Zuge der Arisierung während des Dritten Reiches fiel die Firma Gebrüder Jacobi 1938 an die Zigarrenfabrik Rhein-Weser. Gegen Ende des Zweiten Weltgrieges war in der Fabrik eine deutshce Wehrmachtseinheit einquartiert. Nach dem Krieg produzierte Rhein-Weser bis zum Jahr 1950 in den Reißfelderschen Räumen Zigarren. Von 1952 bis 1956 versuchte sich der Tairnbacher Franz Fuchs in der still gelegten Fabrik mit der Wiederaufnahme der Zigarrenproduktion, doch erwies sich das Unternehmen als wenig zukunftsfähig.

Theodor Reißfelder (1899-1925)
Theodor Reißfelder mußte seine Produktion nach der geschäftlichen Trennung von seinem Bruder Anton ins Haus von Joseph Epp verlegen. Ende 1899 ließen die zuständigen Behörden den Betrieb wegen unzumutbarer Bedingungen für die Belegschaft schließen. Anschließend ließ Reißfelder von acht Arbeitskräften im eigenen Haus Zigarren wickeln. Im Jahr 1900 eröffnete er eine Zigarrenfabrik in der Tairnbacher Straße/Hofäcker 5. Die Produktion begann mit 36 Arbeitskräften. Von 1909 bis 1911 produziert Theodor Reißfelder im Lohnauftrag für die Firma Arnheim & Dinkelspiel. Im Jahr 1914 vermietete er das Gebäude für ein Jahr an die Firma Agricola & Söhne aus Ladenburg. Er selbst war als Werkmeister tätig. Nachdem die Firma Wilhelm Mertens aus Kleve die Fabrik von 1915 bis 1923 übernommen hatte, wurde 1925 die Heidelberger Zigarrenfirma Friedrich Mall als letzter Auftraggeber genannt.

Die Auswanderer

Altmaier, Magdalena, geb. 1832, 1857 in die USA
Birkenmaier, Johannes, geb. 1866, 1880 in die USA
Birkenmaier, Klara, geb. 1875, 1880 in die USA
Birkenmaier, Magdalena, geb. 1872, 1880 in die USA
Birkenmaier, Michael, geb. 1871, 1885 in die USA
Birkenmaier, Theodor, geb. 1878, 1880 in die USA
Dumbeck, Anna, geb. 1859, 1881 in die USA
Epp, Angela, verh. Rapp, geb. 1928, 1954 nach Vancouver/Kanada
Epp, Anna, Geb. 1902, 1923 als Schwester Scholastika in die USA
Epp, Franziska, geb. 1851, 1894 in die Schweiz
Epp, Leonard, geb. 1932, 1951 nach Kanada
Epp, Maria, geb. 1879, 1894 in die Schweiz
Epp, Maria Anna, geb. 1858, 1882 in die USA
Epp, Rosa, geb. 1870, 1889 in die USA
Epp, Simon, geb. 1863, Bäcker, 1882 in die USA
Falkner, Paula, geb. 1903, 1923 als Schwester Bernardine in die USA
Fischer, Oswald, geb. 1899, 1931 in die USA
Fröhlich, Josef, geb. 1871, in die USA
Fuchs, Josef, geb. 1913, 1937 als Pallottiner-Pater nach Montevideo/Uruguay
Groß, Anna Maria, 27 Jahre, 1867 in die USA
Haaf, Sophie, geb. 1845, in die USA
Maier, Anton, geb. 1929, 1951 nach Kanada, später in die USA
Reißfelder, Anna, geb. 1903, 1923 als Schwester Marianne nach Varnum/Washington/USA
Reißfelder, Hildegard, verh. Weis, geb. 1936, 1959 nach Kanada
Reißfelder, Maria, verh. Dunn, geb. 1942, 1962 in die Schweiz, 1976 in die USA
Reißfelder, Pia, verh. Iflaender, geb. 1934, 1961 in die USA
Reißfelder, Sophia, geb. 1902, 1922 als Schwester Maria Christiana in die USA
Ronellenfitsch, Aloysius, geb. 1893, 1912 als Pater Stanislaus in die USA
Ronellenfitsch, Antonia (Toni), verh. Maier, geb. 1939, 1961 in die USA
Ronellenfitsch, Elisabeth, verh. Frank, geb. 1909, 1928 nach Zürich/Schweiz
Schmitt, Peter, geb. 1800, 1831 ausgewandert
Schneider, Ludwig, geb. 1915, 1949 nach Österreich
Schnerder, Rosa, verh. Lator, geb. 1927, 1953 in die USA
Schneider, Hildegard, verh. Samuelson, geb. 1936, 1958 in die USA
Seemüller, Katharina, geb. 1863, 1880 in die USA

Die Bürgermeister

Spiess, Martin 1834 bis 1844 und 1848 bis 1852
Goos, Peter 1844 bis 1846
Eckert, Philipp 1846 bis 1848
Kolb, Johann 1852 bis 1861
Geiss, Georg 1861 bis 1881
Spiess, Longin 1882 bis 1894
Ritz, Karl 1894 bis 1921
Knopf, Anton 1921 bis 1933 und 1945 bis 1946
Laier, Anton 1933 bis 1945
Rausch, Johann 1946 bis 1948
Greulich, Erhard 1948 bis 1978
Gärtner, Bruno 1978 bis 2002
Weis, Hans-Dieter 2002 bis 2017
Thomas Glasbrenner seit 2017

 

Ereignisse

1849 Bei einem Scharmützel zwischen badischen Revolutionstruppen und preußischen Truppen in Horrenberg bleibt ein toter Revolutionär zurück. Er wird dort beerdigt, wo er gefallen ist. Das Steinkreuz, das sein Grab markiert, ist heute noch zu sehen. Arthur Fuchs hörte die Geschichte von seinem Großvater, der das Gefecht als Augenzeuge erlebt hatte.

1853/54 Mißernte und dadurch ausgelöste Auswanderungswelle nach Amerika.

1858 Katastrophale Überschwemmung in Dielheim. Das Vieh wird teilweise auf die Speicher gebracht, um es vor dem Ertrinken zu retten.

 

1865 Sehr gutes Weinjahr.

1870 Typhusepidemie.

1870 Um 1870 suchen die Dielheimer Bauern gern eine alte Frau in Zeutern auf, der magische Kräfte zugeschrieben werden. Wenn das Vieh krank ist, fragt man sie um Rat. Meist beschuldigt sie irgendwelche Dorfbewohner, das Vieh verzaubert zu haben. Die um Rat nachsuchenden Bauern bekommen den Rat, die betreffenden Leute nicht mehr in ihr Haus zu lassen.

1874 Erstmals Ausgaben der Dielheimer Gemeindekasse für Böllerschüsse an den Geburtstagen des Kaisers und des Großherzogs.

1876/77
Sehr milder Winter, in dem sich das Vieh Ende Dezember noch auf der Weide befindet.

1879/80 Sehr strenger Winter, in dem viele Obstbäume erfrieren.

1880 In den achtziger Jahren verstärkt sich der Aberglaube. Die Nacht zum 1. Mai gilt als Hexennacht. An den Türen der Häuser und Ställe werden zur Abwehr von Hexen drei kleine Kreuze angebracht. Vor allem die Kreuzungen der Waldwege gelten als Hexentanzplätze. Zeitweise sperrt man die Waldwege an Sonntagen und stellt an den Waldeingängen Strohteile mit Verbotszeichen auf.

ab 1880 Mißernten und eine Wirtschaftskrise lösen eine Auswanderungswelle nach Amerika aus.

1893 Philipp Fuchs aus Horrenberg wird im Gewann Krautgärten in einem häufig benutzten Sandloch verschüttet und erstickt. Die Sandgrube wird daraufhin sofort geschlossen und zugeschüttet.

1895 Sehr kalter Februar mit vielen erfrorenen Obstbäumen.

1914 Im Dielheimer Kindergarten geht ein Gespenst um. Es soll sich angeblich um einen Hund handeln, der durch Poltern auf sich aufmerksam macht. Manche behaupten, daß es sich um den ehemaligen Bürgermeister Johann Kolb handele, der keine Ruhe finde, weil er die Dorfbewohner schlecht behandelt habe.

1921-23 Wegen durch Inflation und Arbeitslosigkeit verursachter Not dürfen keine Tanzveranstaltungen durchgeführt werden. Masken und Verkleidungen an Fastnacht werden verboten.

1927/28 Höhepunkt einer Auswanderungswelle nach Kanada und in die USA.

1928/29 Sehr strenger Winter bis minus 28 Grad Celsius. Spätfröste lassen im April 1929 einen großen Teil der Reben und Obstbäume erfrieren.

1930 Der Bahnhof Horrenberg-Unterhof dient der Jugend als heimlicher „Tanzboden“.

1933 Schneefall und starker Frost lassen am 20. April Reben und Blüten erfrieren.

1936 Ein Hagelunwetter vernichtet 80 Prozent der Dielheimer Weinernte, die Obstbäume werden weitgehend entlaubt. Die Äcker im Südwesten der Gemarkung erleiden katastrophale Schäden, vor allem der Tabak wird vernichtet. In den Dorfstraßen liegen die Hagelkörner teilweise fünf Zentimeter hoch.

1938 Die Dorfjugend von Dielheim kommt mit denen von Rauenberg, Wiesloch, Baiertal und Horrenberg nicht gut aus. Vor allem nach Fußballspielen gibt es immer wieder Raufereien.

1939/40 Sehr strenger Winter mit viel Schnee.

1940/41 Sehr strenger Winter mit viel Schnee.

1946 Beim Aushub für ein Wohnhaus wird im Unterhof ein Skelett gefunden. Laut polizeilicher Ermittlungen haldelt es sich vermutlich um die sterblichen Überreste des um 1900 mit viel Geld verschwundenen Emil Veith vom Unterhof.

1950 Im Saal des Dielheimer Gasthauses Zur Pfalz wird ein Kino eröffnet. Die „Pfalzlichtspiele“ werden nach wenigen Jahren wieder geschlossen.

1956 Im Hof der Horrenberger Zigarrenfabrik werden bei Ausschachtungsarbeiten zwei Skelette mit Uniformresten gefunden. Die Herkunft der Toten wird nie geklärt.

1956 Der vom Kleintierzuchtverein durchgeführte Sommertagszug findet bis etwa 1973 statt.

1960 In Dielheim wird erstmals ein Martinszug durchgeführt.

1963 Sehr kalter Winter. In Heidelberg friert der Neckar zu.

1966 Dielheim feiert vom 29. Juli bis 1. August seine 1200-Jahrfeier. Das Fest wird ein Jahr zu früh gefeiert, da sich die Gemeindeverwaltung auf eine in vielen historischen Werken erwähnte, aber falsch datierte Urkunde des Klosters Lorsch beruft (766 statt 767). Ein Festbuch wird zum Preis von drei Mark verkauft.

1968 Der Dielheimer Sven Kootz ertrinkt im Alter von knapp fünf Jahren im Spritzwassersee, der daraufhin für den Badebetrieb gesperrt wird.

1969 Der Musikverein veranstaltet nach dem Umzug am Fastnachtsdienstag erstmals eine Tanzveranstaltung in der neuen Dielheimer Sport- und Kulturhalle.

1969 Ein schweres Unwetter geht in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli nieder. Der Leimbach wird zum reißenden Fluß. Keller laufen voll, Brücken werden überschwemmt, viele Straßen sind von Schlamm bedeckt. Auf den Feldern entstehen beträchtliche Hagelschäden. In diesem Zusammenhang beginnt man erstmals kritisch über die Folgen der Flurbereinigung nachzudenken.

1974 Pfarrer Martin Walter, von 1934 bis 1980 Ortsgeistlicher von Dielheim, wird für seine großen Verdinste um die Gemeinde mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet.

1978 Erhard Greulich, von 1948 bis 1978 Bürgermeister von Dielheim, wird für seine großen Verdienste um die Gemeinde mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet.

1978 Hugo Epp, von 1948 bis 1972 Bürgermeister von Horrenberg-Balzfeld, wird für seine großen Verdienste um die Gemeinde mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet.

1979 Pfarrer Ludwig Englert, von 1952 bis 1982 Ortsgeistlicher von Balzfeld und Horrenberg, wird für seine großen Verdienste um die Gemeinde mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet.

1979 Ein Großbrand zerstört die Dielheimer Schreinerei Jörg Knopf.

1982 In der Horrenberger Bergstraße bricht ein Lastwagen in ein metertiefes Loch ein, das durch eine defekte Wasserleitung unbemerkt ausgespült worden war.

1985 Im Januar wird mit minus 28 Grad eine Rekordkälte gemessen.

1986 Nach der Reaktor-Katastrophe im ukrainischen Tschernobyl gibt es radioaktiven Niederschlag. Die Außenanlagen der Kindergärten werden vorübergehend geschlossen, auf den Spielplätzen wird der Sand ausgetauscht. Im Mitteilungsblatt der Gemeinde Dielheim erscheinen wöchentliche Lageberichte des Umweltministeriums. Kleingärtner erhalten Hinweise, welche Pflanzen gegessen werden können und welche wegen hoher Radioaktivität vernichtet werden sollen.

1986 Ein Unfall mit Flüssiggas führt beinahe zur Evakuierung von Balzfeld.

1987 Dielheim tritt der Volkshochschule Südliche Bergstraße als Mitglied bei.

1988 Der Dielheimer Errol Marklein wird Olympiasieger bei der Paralympics.

1992 Als Folge der politischen Umwälzungen in Osteuropa kommen seit 1989 Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge nach Dielheim. Um das Zusammenleben mit der einheimischen Bevölkerung zu erleichtern, gündet sich ein Arbeitskreis gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit. Die Zahl der Asylbewerber steigt bis 1997 auf 92 an. Die der Gemeinde Dielheim zugewiesenen Asylbewerber kommen fast ausschließlich aus dem zu Serbien gehörenden Kosovo.

1993 Der Schwammspinner, eine Schmetterlingsart, frißt die Wälder kahl. In Dielheim sind die Schäden gering.

1996 Der Dielheimer Ernst Körner wird beim Einsturz eines Versorgungsgrabens verschüttet und erstickt.

1998 Kurt Laier, von 1945 bis 1984 Ratschreiber, Grundbuchratschreiber und Standesbeamter der Gemeinde Dielheim, wird für seine großen Verdienste um die Gemeinde Dielheim mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet.

Die Schulleiter

Sebastian Heilig 1848 bis 1858
Vital Geiger 1858 bis 1869
Johann Michael Sturm 1869 bis 1876
Kein eigener Lehrer 1876 bis 1880
Emil Auerbach 1880 bis 1891
Gottlieb Schwing 1891 bis 1900
Wunibald Schindler 1900 bis 1931
Oskar Kern 1931 bis 1945
1948 bis 1965
Manfred Lindner 1965

 

Der Dachsenfranz

Der Italiener Francesco Regali, in Horrenberg und der weiteren Umgebung stets „Dachsenfranz“ genannt, lebte von etwa 1870 bis 1914 in den Wäldern zwischen Wiesloch und Sinsheim. Angeblich handelte es sich bei dem Einsiedler um einen Fahnenflüchtigen der Armee des italienischen Freiheitshelden Garribaldi, der geflohen war, weil er einen Vorgesetzten niedergestochen hatte. Nach Aufenthalten in Österreich und Süddeutschland ließ er sich schließlich in den Wäldern um Horrenberg nieder. Als Unterkunft dienten ihm Höhlen, die er sich in den reichlich vorhandenen Hohlwegen grub. Seine immer noch erkennbare Horrenberger Höhle befand sich in der Nähe des heutigen Waldspielplatzes. Sie war mit Heu und Fellen ausgelegt, doch war es keinem Besucher je gestattet, das Innere der Höhle in Augenschein zu nehmen. Der stets von zwei Hunden begleitete „Dachsenfranz“ jagte in den Wäldern nach Dachsen Füchsen und Mardern, womit er die einheimischen Jäger, die in den genannten Tieren lediglich Jagdkonkurrenten sahen, zu seinen Freunden machte. Den Bauern verkaufte der „Dachsenfranz“ selbstgemachtes Dachsenfett, das er in einem Kessel zubereitete. Dachsenfett galt damals als eine Art Wundermittel gegen allerlei Gebrechen. Mit Kräutermischungen gegen verschiedene Krankheiten machte er sich bei Bäuerinnen beliebt. Seinen restlichen Lebensunterhalt bestritt der „Dachsenfranz“ mit dem Verkauf von Fellen und durch seine Tätigkeit als Kammerjäger. Kaum jemand verstand es wie er, Bauernhöfe und vor allem Mühlen von Ratten und Mäusen zu befreien.
Auf Grund seiner Lebensweise hatte der „Dachsenfranz“ kaum Möglichkeiten, sich oder seine Wäsche zu waschen. Entsprechend wild und ungepflegt muß sein Erscheinungsbild gewesen sein. Leopoldine Zahn, Wirtin des füheren Gasthauses Zum Forsthaus im Unterhof, kannte den „Dachsenfranz“ noch persönlich, da er bisweilen zu einem Bier oder Schnaps einkehrte. Sie berichtete von dem strengen Geruch und der unheimlichen Ausstrahlung des Waldbewohners, der nach übereinstimmenden Aussagen jedoch absolut harmlos war. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, war der „Dachsenfranz“ plötzlich verschunden. Ob er aus Angst vor dem Krieg das Weite gesucht hatte oder aus anderen Gründen von der Bildfläche verschwand, konnte nie geklärt werden.

Unabhängigkeit

Der fünfte Trennungsversuch

Seit 1705 hatten die Bewohner des Dorfes Balzfeld insgesamt vier Versuche unternommen, sich von der aus Horrenberg, Balzfeld, Unterhof und Oberhof bestehenden Gemeinde Horrenberg zu lösen und die politische Selbständigkeit zu erlangen. Obwohl das Begehren der Balzfelder nach einer eigenständigen Gemeinde 1850 vom badischen Innenministerium endgültig abgewiesen worden war, blieb der Wunsch nach einer Trennung von Horrenberg weiterhin bestehen. So verwundert es nicht, daß das Dorf gut 50 Jahre nach dem letzten gescheiterten Versuch einen fünften Anlauf zur Erreichung des begehrten Zieles nahm. 1871 hatte das Bezirksamt noch einmal schriftliche festgehalten, daß Horrenberg und Balzfeld zwar gesonderte Gemarkungen, aber eine gemeinschaftliche Vermögensverwaltung hätten. 1896 wurden die bis dahin gesonderten Gemarkungen von Horrenberg und Balzfeld von den zuständigen Behörden gegen den Widerstand der Balzfelder zur 776 Hektar großen Gemarkung Horrenberg-Balzfeld vereinigt. Damit nicht genug, zeigten die Horrenberger den Balzfeldern bei der Bürgerausschußwahl 1899, daß sie wegen der größeren Einwohnerzahl ihres Dorfes bei allen Wahlen bestimmen konnten, welche Kandidaten in die Gemeindegremien einzogen. Da die von Horrenbergern dominierte Gemeindeverwaltung sich laut Erkenntnis des Bezirksamtes mehr vom Lokalpatriotismus als von demokratischen Grundsätzen leiten ließ, sollten die 40 Ausschußmitglieder von der Bevölkerung der beiden Dörfern gemeinsam gewählt werden. Bei den Wahlen hatte jeder stimmberechtigte Bürger entsprechend der Zahl der zu wählenden Ausschußmitglieder 40 Stimmen. Horrenberg und Balzfeld stellten zwar je 40 Kandidaten auf, doch hatten wegen der in Horrenberg höheren Wählerzahl alle 40 Horrenberger Kandidaten mehr Stimmen als die 40 Kandidaten aus Balzfeld. Offenbar hatte niemand einen Kandidaten aus dem jeweiligen Nachbardorf gewählt. So kamen alle 40 Bürgerausschußmitglieder aus Horrenberg und keiner aus Balzfeld. Das Bezirksamt griff nach Bekanntwerden des undemokratischen Wahlergebnisses ein und ließ die Wahl nach Orten getrennt noch einmal wiederholen. Dabei durften die Balzfelder in nunmehr getrennter Wahl entsprechend ihrer Bevölkerungszahl 18 Ausschußmitglieder wählen, während den Horrenbergern 22 Ausschußsitze zugesprochen wurden. Durch ihr unfaires Verhalten hatten die Horrenberger den alten Wunsch der Balzfelder nach politischer Selbständigkeit erneut geweckt. Am 28. Februar 1901 unterschrieben 69 Balzfelder Bürger den Antrag um Auflösung der bestehenden vereinigten Gemeinde Horrenberg-Balzfeld kombiniert mit dem Antrag, die Gemeinde Balzfeld als neue selbständige Gemeinde zu erklären. Sie legten das Schriftstück dem Bezirksamt Wiesloch vor, das als Grund für den Wunsch auf Selbständigkeit den Wert des ganz auf Balzfelder Gemarkung liegenden Gemeindewaldes vermutete. Bei alleiniger Verfügungsgewalt hätte er einer eigenständigen Gemeinde Balzfeld einen guten Teil des Gemeindehaushaltes finanziert. Das Bezirksamt sandte dem Bürgermeisteramt Horrenberg daraufhin einen Fragebogen zu, durch den alle Fragen bezüglich der Beziehungen der beiden Dörfer untereinander geklärt werden sollten. Als nach fast acht Monaten immer noch keine Antwort eingegangen war, vermutete das Bezirksamt folgerichtig eine absichtliche Verzögerung seitens das von Horrenbergern dominierte Gemeinderates und des aus Horrenberg stammenden Bürgermeisters Franz Epp. Man sandte ein geharnischtes Schreiben an die Gemeindeverwaltung und drohte den Verantwortlichen mit einem Disziplinarverfahren. Für die Abgabe des Fragebogens setzte man Bürgermeister Epp eine Frist von vier Tagen, der er unter diesen Umständen schleunigst nachkam. Aus dem Fragebogen geht hervor, daß Balzfeld im Jahr 1901 419 Einwohner zählte. Ihnen standen 499 Horrenberger gegenüber. Somit besaß Horrenberg zwar die größere Zahl an Einwohnern, doch konnte Balzfeld mit 562 Hektar gegenüber Horrenberg mit 287 Hektar die weitaus größere Gemarkung vorweisen. Die Gesamtgemeinde war zu damaligen Zeitpunkt vollkommen schuldenfrei. Das Steueraufkommen des Dorfes Balzfeld lag wegen der günstigeren Betriebsgröße der dortigen Bauernhöfe etwas höher als das des Dorfes Horrenberg. Im zweimal wöchentlich tagenden Gemeinderat besaßen Horrenberg und Balzfeld je drei Stimmen, doch gab der aus Horrenberg stammende Bürgermeister mit seiner Stimme bei allen strittigen Fragen den Ausschlag. Außerdem wurmte die Balzfelder, daß sich ihre Gemeinderäte zu den Sitzungen stets nach Horrenberg ins Rathaus begeben mußten. Das führte im Sommer für die Balzfelder zu einem angeblich unzumutbaren Zeitverlust bei den landwirtschaftlichen Arbeiten, während ihnen im Winter der Weg auf Grund der Wetterverhältnisse zu unangenehm war. Aus dem Schriftverkehr geht eindeutig hervor, daß sich die Balzfelder, ob zu Recht oder zu Unrecht, von den Horrenbergern stets ungleich behandelt fühlten. Als Beweis für die an ihnen verübten Ungerechtigkeiten führten die Balzfelder an, daß neben dem Bürgermeister auch der Ratschreiber, der Gemeinderechner, der Waisenrat und die beiden Waldhüter aus Horrenberg stammten. Nach Balzfelder Meinung brachte dem Dorf die Vereinigung mit Horrenberg nur Unannehmlichkeiten. Für die Balzfelder, so heißt es unter anderem im Antrag auf Selbständigkeit, sei es nichts Angenehmes, sich bei notariellen Geschäften ins Rathaus nach Horrenberg begeben zu müssen. Das Bezirksamt zeigte sich den Argumenten der Balzfelder durchaus zugänglich und forderte beim Generallandesarchiv Karlsruhe die Akten der vier bisherigen Verfahren auf Selbständigkeit an. Eine vor Ort durchgeführte Untersuchung ergab, daß viele Beschwerden der Balzfelder durchaus berechtigt waren. So bemängelte der Bezirksamtmann, daß es im Horrenberger Rathaus keine festen Sprechstunden gab, so daß sich die Bewohner Balzfelds nur auf gut Glück dorthin begeben konnten. Ferner stellte man fest, daß die Gemeindeverwaltung nur die Gräben in Horrenberg von einem Gemeindearbeiter reinigen ließ, während in Balzfeld die jeweiligen Anrainer die Gräben zu putzen hatten. Eine Auflistung des Vermögens ergab, daß dem Dorf Balzfeld der ganze Gemeindewald sowie einiges an Ackerland und Wiesen, der Turnplatz und der Friedhof gehörten. Die Gemeinde Horrenberg besaß an Liegenschaften in Horrenberg das Schul- und Rathaus, das Feuerlöschrequisitenhaus, die Hirtenwohnung, ein Wohnhaus mit Wachstube und ein Wohnhaus mit Schuppen, das als Armenhaus diente. In Balzfeld besaß die Gemeinde ein Wohnhaus mit Scheuer und Stallungen, das Schulhaus, das Wachhaus, das Armenhaus, die Hirtenwohnung sowie das Gestühl und den Glockenstuhl der Kirche. Überrascht zeigte sich das Bezirksamt davon, daß die Stimmung in Horrenberg durchaus nicht gegen eine Trennung von Balzfeld war. Der Gemeinderat schlug eine Aufteilung des Vermögens gemäß der Einwohnerzahl der beiden Dörfer von und verlangte einen neuen Zuschnitt der Gemarkungen. Die Horrenberger erhofften sich für den Fall einer politischen Trennung gleichzeitig die von ihnen erstrebte kirchliche Trennung von Balzfeld. So stimmten die Vertreter der beiden Dörfer schließlich der Aufnahme von Vorverhandlungen zur Aufteilung des Gemeindevermögens zu. Nach einem Ortstermin leitete das Bezirksamt Wiesloch den „Antrag auf politische Selbständigkeit des Dorfes Balzfeld“ befürwortend an das Großherzogliche Innenministerium in Karlsruhe weiter. Am 17. April 1902 begab sich der Großherzoglich-Badische Landeskommissär Pfisterer nach Horrenberg, um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen und um mit Absandten beider Dörfer zu verhandeln. Anschließend verfertigte er eine Stellungnahme für das Ministerium des Inneren. Darin stellte er fest, daß sowohl Horrenberg als auch Balzfeld jeweils für sich eine Gemarkung, einen Polizeidiener, einen Feldhüter, einen Leichenschauer, eine Hebamme, einen Steinsetzer, einen Abdecker, eine Farrenhaltung mit je zwei Farren (Zuchttieren), eine Eberhaltung, eine Schule, eine Gemeindewaage sowie eine Feuerspritze besaßen. Die Zustimmung der Horrenberger Gemeinderäte zu der angestrebten Trennung erwartete Pfisterer nur für den Fall, daß Horrenberg gleichzeitig zu einer eigenen Kirchspielgemeinde mit eigener Kirche und eigener Pfarrei gemacht würde. Der von Horrenberg gewünschte Friedhof kam nach seiner Ansicht ebenfalls nur für den Fall einer kirchlichen Selbständigkeit in Frage, denn eine Totenmesse in Balzfeld mit anschließender Beerdigung in Horrenberg hielt er nicht für möglich. Den Balzfeldern rang Pfisterer das Zugeständnis ab, den Horrenberger Bürgermeister auch in Zukunft als Standesbeamten für Balzfeld anzuerkennen. Insgesamt gab der Landeskommissär eine positive Stellungnahme zu Gunsten der Balzfelder ab und schloß sich dem Votum des Bezirksamtes an. Bei einer Trennung sollten zwei Gemeinden entstehen, die mit Tairnbach, Rotenberg oder Malschenberg zu vergleichen gewesen wären. Am 18. Juli 1902 stellte das Ministerium des Inneren seine Zustimmung für den Fall in Aussicht, daß zwischen den beiden Ortschaften völliges Einverständnis über die Trennung des Gemeindevermögens bestehe. Eine Trennung sei nicht möglich, wenn der auf Balzfelder Gebiet liegende Gemeindewald gemeinschaftliches Eigentum bleibe, da andauernder Streit zu erwarten sei. Zur Frage der kirchlichen Selbständigkeit Horrenbergs verwies das Innenministerium auf die alleinige Zuständigkeit der katholischen Kirche. Am 6. Oktober 1902 hielt Oberamtmann Dr. Klotz vom Bezirksamt Wiesloch in Horrenberg und Balzfeld getrennte Bürgerversammlungen ab. Im Anschluß daran stimmten die Balzfelder einstimmig für eine Trennung, die Horrenberger waren wegen der nicht geklärten Frage einer kirchlichen Trennung einstimmig dagegen. Gleichzeitig gaben die Horrenberger zu verstehen, daß bei Schaffung einer eigenen Kirchengemeinde eine Änderung der ablehnenden Haltung möglich sei. Daraufhin lehnte das Innenministerium trotz der positiven Stellungnahmen der unteren und mittleren Behörden wegen Unmöglichkeit der Einigung zwischen den beiden Orten das Trennungsgesuch der Balzfelder ab. Am 29. August 1903 teilte das Ministerium des Inneren den Antragstellern die Gründe für die Ablehnung ihres Gesuches mit: Nachdem keine Einigung zwischen den beiden Orten herbeigeführt wurde, muß die Trennung als undurchführbar erscheinen. Wir können uns daher zu einer weiteren Verfolgung der Angelegenheit zunächst nicht veranlaßt sehen. Der Balzfelder Stabhalter Johannes Blum mußte den enttäuschten Bürgern Balzfelds den nhalt des Erlasses durch Vorlesen bekanntmachen.

Der sechste Trennungsversuch

1907 sollte die Balzfelder Pfarrkirche gegen den Willen der Horrenberger vergrößert weden. Da die Horrenberger Gemeinderäte bei einer Vergrößerung der Kirche in Balzfeld ihr Hoffnungen auf einen Kirchenbau in Horrenberg schwinden sahen, versuchten sie das Bauvorhaben mit allen Mitteln zu verhindern. So fand sich nun plötzlich in auch Horrenberg eine Mehrheit für die völlige politische und kirchliche Trennung von Balzfeld und Horrenberg. Mit dem Ende des Steites um die Vergrößerung der Kirche ließen die Bestrebungen nach politischer Trennung vorübergehend nach. 1909 konnte das Bezirksamt feststellen: Was die Frage der Lostrennung Balzfelds von Horrenberg betrifft, die schon seit zwei Jahrhunderten den Gegenstand eines lebhaften Kampfes bildet, so haben sich zur Zeit die Gemüter beruhigt. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, wann die Frage erneut angeschnitten werden wird.
Tatsächlich lebte der alte Steit nach dem Ersten Weltkrieg wieder auf. Mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den Inflationsjahren von 1921 bis 1923 machte sich erneut Mißgunst unter den Dorfbewohnern breit, da man in Balzfeld die knappen öffentlichen Mittel ungerecht verteilt sah. So stellten die Balzfelder ihren sechten Antrag auf politische Selbständigkeit. Der Bezirksinspektor schrieb dazu in seiner Stellungnahme: Bedeutsam für die Gemeinde ist der bald verborgen bald offen auftretende Streit zwischen dem Ortsteil Horrenberg und dem Ortsteil Balzfeld. Horrenber hat das Rathaus, Balzfeld die Kirche. Die Horrenberger haben sich einen Friedhof angelegt, da sie nicht mehr in Balzfeld begraben sein wollen. Nun wollen sie an den Bau einer Kirche gehen. die natürlich prächtiger werden muß als die Balzfelder Kirche. Das Bezirksamt versah den Bericht mit dem Hinweis, daß die gegewärtigen Zeiten eher zur Vereinigung als zur Trennung von Gemeinden angetan seien. In den folgenden Jahren scheiterten sämtliche Verhandlungen zwischen Horrenberg und Balzfeld bezüglich einer Trennung an der Frage der gegenseitigen Gemarkunsgrenze. Als auch noch der Oberhof und der Unterhof größere Selbständigkeit zu erlangen suchten, riß dem Badischen Innenministerim der Geduldsfaden. Mit Schreiben vom 28. April 1932 teilte der Minister des Inneren mit: Nachdem eine Vereinbarung zwischen den Gemeinden nicht zustande gekommen ist, wird die Vereinigung des Hauptortes Horrenberg und der Nebenorte Balzfeld, Oberhof und Unterhof zu einer einfachen Gemeinde Horrenberg unter Aufhebung der gegenseitigen Gemarkungsgrenzen mit Wirkung vom 1. Juli 1932 angeordnet. Damit war das Thema Selbständigkeit wieder einmal zu den Akten gelegt.

Der siebte Trennungsversuch

1961 begann nach einem nur kurz verfolgten Versuch im Jahr 1947 der wohl letzte Anlauf der Balzfelder, die kommunalpolitische Unabhängigkeit zu erlangen. Die Balzfelder versuchten sich unter Federführung von Gemeinderat Alois Knopf erneut von Horrenberg zu lösen. Zu einer Bürgerversammlung, auf der über die Ausgemeindung gesprochen werden sollte, lud man auch Landrat Georg Steinbrenner ein. Zur Enttäuschung der Balzfelder Bevölkerung teilte er den Bürgern jedoch mit, daß keine Regierung und kein Landtag einer Selbständigkeit zustimmen werde. Das Steueraufkommen des finanzschwachen Dorfes sei so gering, daß eine selbständige Gemeinde Balzfeld ständig der finanziellen Hilfe des Landes bedürfen würde. Trotz dieses Rückschlages ließen sich die Balzfelder nicht von ihrem Vorhaben abbringen und strebten durch einen eigens zu diesem Zweck gegründeten Heimatverein unter Vorsitz von Willi Fuchs nach Unabhängigkeit. Der Heimatverein entfaltete sofort verschiedene Aktivitäten wie die Durchführung eines Sommertagszuges oder ein Dorffest am Osterberg, um die Eigenständigkeit des Dorfes herauszustellen. Bald kam es zu polemischen Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern der Ausgemeindung. Gegen die gerade anstehende Flurbereinigung setzten sich die Balzfelder heftig zur Wehr, da das Flurbereinigungsamt die von ihnen geforderte Festlegung einer Gemarkungsgrenze zwischen Horrenberg und Balzfeld ablehnte. Im Gegenzug verweigerte der Gemeinderat dem Heimatverein einen Zuschuß zu seinem gerade im Druck befindlichen Heimatbuch. Der Streit um den Standort der in Horrenberg zu bauenden neuen Schule brachte zusätzlichen Zündstoff, da die Balzfelder sich von den Horrenbergern wieder einmal übervorteilt und fremdbestimmt fühlten. Am 12. September 1964 gründeten sie auf einer Bürgerversammlung einen Ausgemeindungsausschuß, dessen Mitglieder von den Einwohnern gewählt wurden. Der Ausschuß stellte beim Landratsamt Antrag auf Ausgliederung aus der Gemeinde Horrenberg und die Bildung einer selbständigen Gemeinde Balzfeld.
Der von 85 Prozent der Balzfelder Wahlberechtigten unterschriebene Ausgliederungsantrag gründete sich auf angebliche historische Fakten sowie auf die Benachteiligung Balzfelds durch die Horrenberger Verwaltung und die Nichtberücksichtigung bei der Erschließung von Baugebieten. Die historischen Fakten untermauerte man durch ein vom Heimatverein in Auftrag gegebenes Heimatbuch, das der im Generallandesarchiv Karlsruhe tätige Archivrat Alfons Schäfer verfaßt hatte. Im November 1964 fand im Horrenberger Gasthaus Zum Hirsch eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt, auf der über den Ausgemeindungsantrag debattiert und abgestimmt werden sollte. Bürgermeister Hugo Epp hatte das Begehren in einer persönlichen Stellungnahme für das Landratsamt bereits kategorisch abgelehnt. Der Gemeinderat lehnte den Antrag nach heftiger Debatte mit acht zu zwei Stimmen bei einer Enthaltung ebenfalls ab. Dennoch trafen sich im Dezember je fünf Vertreter aus Horrenberg und Balzfeld, um über das gegenseitige Verhältnis zu verhandeln.
Bei der Aufstellung der Listen für die 1965 anstehenden Gemeinderatswahl gab es den nächsten Eklat, der in der Aufstellung von zwei verschiedenen CDU-Listen gipfelte, denen jeweils die Gegner beziehungsweise die Befürworter einer Trennung angehörten. Im Dezember 1965 leitete das Landratsamt Heidelberg den Antrag auf kommunalpolitische Selbständigkeit mit einer ablehnenden Stellungnahme an das Regierungspräsidium Karlsruhe weiter, das den Antrag dem Innenministerium in Stuttgart vorlegte. Am 17. Oktober 1966 lehnte das Innenministerium Baden-Württemberg den Antrag rundweg ab und beschloß, keinen entsprechenden Gesetzentwurf im Landtag einzubringen. In der Begründung heißt es, daß die Ausgemeindung dem Gemeinwohl nicht diene und sowohl Horrenberg als auch Balzfeld so finanzschwach seien, daß sie zukünftige ständig auf Zuschüsse aus Landesmitteln angewiesen sein würden.
Wenige Jahre später ging es im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform nur noch darum, von welcher größeren Gemeinde man eingemeindet werden würde. Im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform im Jahr 1972 konnten die Balzfelder den Horrenbergern nach fast dreihundert Jahren dann doch noch ihren politischen Willen aufzwingen. Während die Horrenberger mit knapper Mehrheit für eine Vereinigung mit Wiesloch stimmten, führten die Stimmen aus Balzfeld zur Vereinigung mit Dielheim.